
Im Widerstand können wir mit vielem sein. Seien es Bestrebungen einflussreicher Menschen, Bedrohungen um Leib und Leben uns lieber Menschen, arschige Nachbarn, unmögliche Familienmitglieder, Jobsituationen, Krankheiten, Grenzüberschreitungen uns naher oder aber weiter entfernter, herausfordernder Menschen, unrechtmässige Beschuldigungen, Geldsituationen, der Klassenlehrer, das System und so weiter und so fort. Die Liste kann und sollte dringend individuell und so genau wie möglich erstellt und vervollständigt werden. Aus welchem Grund? Dazu später mehr.
Was bewirkt Widerstand in uns?
Im Falle eines Sturzes macht der Widerstand des Körpers sehr viel Sinn: Der Körper erzeugt in Bruchteilen von Sekunden eine erhöhte Spannung zum Schutz vor Verletzungen. Wenn der Säbelzahntiger vor uns steht, sich der Körper durch eine erhöhte Spannung auf eine Sprint vorbereitet, macht Widerstand durchaus seinen Sinn.
Nur sind wir meist im inneren Widerstand gegen `Etwas`, ohne dass uns unmittelbar Lebensgefahr droht.
Innerer Widerstand erzeugt in Geist und Körper ein Zusammenziehen, Verhärtungen, Starre, Unbeweglichkeit. Wir werden eng im Denken und hart in unserer Ausdrucksweise, die körperlich wie auch in unserer Wortwahl erkennbar wird.
Nun gibt es einen völlig paradox erscheinenden Ausgang aus diesem Hamsterrad der zunehmenden Verhärtung und somit des Leidens. Der Durchgang liegt in der entlarvenden und haargenauen Identifizierung und Benennung der Brocken, die uns das Leben schwer machen.
Das innere Bezeugen ist der wesentliche, erste Schritt: Ja, es ist so!
Ja, es ist so, dass der Übergriff stattgefunden hat. Ja, es ist so dass die Krankheit da ist. Ja, es ist so, dass Ohnmacht da ist anlässlich von Mord und Totschlag. Ja, es ist so, dass die arschigen Nachbarn so sind. Ja, es ist so, dass all die Erfahrungen in unserem Leben da sind und die Erfahrungen nicht weggemacht, losgelassen, weggezaubert werden können. Und jetzt kommt das grosse ABER: Sie wollen und können integriert werden. Sie sind ohnehin da und wirken in uns und aus uns heraus.
Nach der Entlarvung und Identifikation der Brocken nehmen wir sie wie ein verletztes, weinendes Kind in unsere Arme, in unser System hinein, in unseren Lebensteich und gewähren ihnen ihre Daseinsberechtigung als gemachte Erfahrungen. Und jetzt können sich deren Wirkungsmechanismen nach und nach verändern. Weil wir die absolut vergeblichen Schattenkämpfe nicht mehr austragen. Weil wir die Anteile, die wir immer weggestossen haben, in uns hinein holen.
Wer da auf einmalige Hauruckübungen hofft, hofft meistens vergeblich. Das sind keine schnellen Vergebungstechniken, die ohnehin oft nicht funktionieren, da sie entscheidende Schritte zu überspringen versuchen oder gar ausblenden.
Das sind innere Vorgänge, die wir geduldig und beharrlich wiederholen, bis wir sie in die Tiefen unseres Lebensteiches geholt haben, bis sie am Grund angelangt sind.
Und da können sich wahre Wunder zeigen – in einigen Fällen ganz plötzlich, in anderen Fällen erst nach und nach – bleiben wir weichen Herzens und Geistes.
Corinne Faenzi
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Ja, ich will Gönnermitglied werden.

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