Ignoranz als Gradmesser für Traumatisierung Teil 1

So viele Menschen erhoffen sich aus zunehmenden Offenlegungen, die mehr und mehr beleuchtet werden, durch Analysen und ewigen Wiederholungen, dass die Masse der Menschen in das `Grosse Erwachen` gelangen kann. Es ist mehr als fraglich, wie sehr diese Hoffnung wirklich realitätstauglich ist.

Die unsäglichen, aktuellen Kriegshandlungen sind ein gutes Beispiel dafür, wie tief Ignoranz in einzelnen Individuen, in den Familien, in Gruppierungen von Menschen und auch in ganzen Völkern/Gesellschaften im Sinne eines kollektiven Geistes, sitzt. Viele lassen sich erst am äussersten Rande und nur ganz leicht davon berühren, nämlich dann, wenn ein Thema sich in ihren Geldbeutel frisst. 

Vollkommen unfassbar wird die Ignoranz gegenüber den ganzen abscheulichsten Gräueltaten und Verbrechen in Bezug auf Kinder und Jugendliche, die mehr und mehr an die Oberfläche gelangen. Wie kann es sein, dass KEIN gesellschaftlicher und aus tiefsten Herzen kommender Aufschrei von den Menschen hörbar ist?

Was sind das für Mechanismen in uns, die verhindern, dass der für einige längst (!!!) überfällige innere Aufschrei von «JETZT REICHTS!» sich aufbauen kann?

Betrachten wollen wir nicht all die äusseren Manipulationen, sondern eine grundlegende, ein jedem Menschen innewohnende, innere Manipulation:

DIE IGNORANZ.

Die Rede ist nicht von der bewusst gewählten Ignoranz im Sinne einer simplen Interesselosigkeit oder einer menschenverachtenden Bestrafungsvariante, sondern die Ignoranz als unseren innewohnenden Mechanismus, der uns angeblich vor tiefem Schmerz, Ohnmacht und schlimmster Not schützen kann. Und ich bin mir sicher, die meisten Menschen wählen Ignoranz nicht bewusst, sondern leben sie, als Schutzmechanismus vor dem vermeintlichen Zerfall, aus. 

Was ist Ignoranz anderes, als der ultimative und verzweifelte Versuch, etwas nicht fühlen zu müssen oder gar der Versuch, die befürchtete Auslöschung, die Todesangst verhindern zu können?

Einem bin ich mir ziemlich sicher: Diese existenzielle Angst kennen vermutlich ALLE Menschen, bewusst oder unbewusst.

Wie viele von uns tragen beispielsweise die Kriegstraumatisierungen unserer Vorfahren noch in den Knochen? Bist Du Dir sicher, dass nur, weil unsere wenigen Generationen in unseren Breitengraden in ihrem Leben keinen Krieg erlebt haben, wir keine Erinnerung davon in uns gespeichert hätten? 

Ich bin mir sicher, dass die allermeisten Menschen die eine oder andere individuelle oder gesellschaftliche tief traumatische Erinnerung in ihrem System abgespeichert haben. Meist wird aus vermeintlichem Selbstschutz, nicht einmal aus böswilliger Absicht, versucht, mit Ignoranz dieses lebensbedrohliche Aufsteigen, aus zuverlässig unterdrückter Körpererinnerung, niederzuschmettern.

In dem Sinne kann Ignoranz als Gradmesser individueller, familiärer und gesellschaftlicher Traumatisierungen betrachtet werden, die ein Eigenleben haben und tief aus uns wirken.

Ignoranz, auch erfahrbar als mangelnde oder fehlende Berührbarkeit, verhindert kein Leid – das Gegenteil ist der Fall. Ignoranz verhindert tiefe Menschlichkeit und die Verbindung mit unserem Kern, unserer Essenz, unserem Zentrum und somit unserer Kraft. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum Kriege nie enden sollen…

Corinne Faenzi

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